Jean Guillou

Ein sehr persönlicher Nach- (Aus)ruf. Am Samstag, den 26. Januar 2019 verstarb Jean Guillou in Paris. Ich bin dankbar für jede Minute, die ich mit ihm in meinem Leben teilen durfte. Ich bewundere seine Kreativität, ich bewundere seine Begabung, ich bewundere sein umfassendes Wissen über alle Künste, sein Verständnis der Poesie, der Architektur, der Malerei, der Bildhauerei, des Theaters und natürlich der Musik. Für mich ist Jean Guillou ein Visionär, der sich existentiell mit der Geschichte auseinandersetzt, der aus dem intensiven Studium des Gestern Ideen für das Morgen entwickelt. Und warum schreibe ich das alles in der Gegenwart? Weil ich genau das fühle: Jean Guillou ist verstorben, seine Ideen, seine Lebendigkeit, sein Wille, die Welt zu gestalten, die Welt in eine bessere Zukunft zu führen, lebt weiter.

Über fünfzehn Jahre haben wir in allen Details mit Jean Guillou an der Umsetzung seiner Idee der Orgue a structure variable gearbeitet: Die Idee, mit der Orgel auf die Menschen zuzugehen, im wahrsten Sinne des Wortes, Menschen mit Musik zu umfangen, Menschen unmittelbar zu erreichen, ohne Distanz, ohne Empore, barrierefrei, schrankenlos aber nicht zügellos. Ich wünsche von ganzem Herzen Suzanne und seiner ganzen Familie viel Kraft, mit diesem schmerzlichen Verlust umgehen zu lernen. Ich wünsche uns allen, die Ideen Jean Guillou in uns stets lebendig zu halten, das Gestern zu kennen, aber das Morgen nicht aus den Augen zu verlieren.

Philipp Klais

Bildquelle: Philipp Klais Orgelweihe der Guillou Orgel in der Kathedrale von Leon / Spanien am 20. September 2013.